Kultur schlecht: Wann sollte ich kündigen?

Diese Frage wurde mir letztens nach einem Vortrag zum Thema Unternehmenskultur gestellt und ich würde sie gerne etwas eingehender behandeln.

Sollte ich kündigen, wenn die Unternehmenskultur schlecht ist?

Ja!

Wann sollte ich kündigen:

Es kommt darauf an…

Aber alles der Reihe nach.

Ja, ich sollte kündigen, um schlechte Unternehmenskultur abzustrafen!

Wir alle wünschen uns in einem Umfeld zu arbeiten, in dem wir uns wohlfühlen. In dem uns die nötige Wertschätzung entgegengebracht wird und wo unsere Bedürfnisse ernst genommen werden. Leider ist das allzu häufig nicht der Fall und wir werden unzufrieden.

In einer solchen Situation ist leider nicht jeder Mensch in der Position zu kündigen. Mögliche schlechte Aussichten auf dem Arbeitsmarkt, finanzielle Verpflichtungen, örtliche Bindung oder viele andere Gründe können das Dilemma verschlimmern. Also nicht immer kann man einfach so kündigen, sondern muss die Situation zumindest noch etwas länger aushalten.

Doch für all diejenigen, die in einer privilegiert Situation sind, dass sie schnell einen neuen Job finden, örtlich flexibel sind und keine großen Verpflichtungen haben, ist es die Pflicht zu kündigen. Es ist unsere Pflicht zu kündigen und Unternehmen damit abzustrafen, die keinen Wert auf die Unternehmenskultur legen oder diese ganz einfach ignorieren.

Es ist meine Pflicht, für gute Unternehmenskultur zu kündigen!

Wie ich schon sagte, wünschen wir uns alle ein Arbeitsumfeld, in dem wir uns wohlfühlen. Und einige Menschen haben dieses Umfeld und die damit zusammenhängende Kultur auch gefunden oder aufgebaut. Doch ein solches Umfeld wird sich nicht einfach so entwickeln. Es wird sich kein Wandel in der Kultur ergeben, wenn es keinen Druck gibt, der dies fordert. Wenn Unternehmen und die Unternehmensführung durch eine negative Kultur nicht mit negativen Folgen rechnen muss. Also müssen wir diese Folgen herbeiführen.

Ich, als Angestellter in einer privilegierten Situation, bin nicht nur für mein eigenes Wohl dazu verpflichtet wegen schlechter Unternehmenskultur zu kündigen. Ich bin auch aus Solidarität zu weniger privilegierte Mitarbeiter*innen dazu verpflichtet zu kündigen und das Unternehmen für die schlechte Kultur abzustrafen. Nur wenn ich und viele andere Menschen dies konsequent tun und für Unternehmen dadurch Druck und Kosten entstehen, wird das Thema überhaupt als wichtig bei der Führung wahrgenommen.

Nur wenn ich und viel andere Menschen, überall in der Wirtschaft, so konsequent sind und wegen schlechten Kulturen kündigen, wird sich auch etwas ändern. Es wird sich in der gesamten Wirtschaft etwas ändern. Unternehmen werden sich dem Thema annehmen und Arbeitskultur wird im Ganzen verbessert.

Und jene Unternehmen, die den Knall nicht hören, die haben nun mal Pech und denen geht über kurz oder lang die wertvolle Belegschaft verloren.

Wann kündige ich?

Bevor ich jedoch einfach das Handtuch schmeiße und gehe, habe ich noch eine weitere Verpflichtung.

Eine positive Kultur entwickelt sich nicht von allein. Es braucht Menschen, die diese gestalten und den ersten Stein ins Rollen bringen. Es braucht Menschen, die eine Vision von der Kultur haben, die es braucht und die einen Weg sehen, wie diese aufgebaut werden kann.

Wenn ich mich über die Unternehmenskultur beschwere, dann habe ich auch die Pflicht, mein Bestes zu geben, um sie zum Positiven zu verändern. Ich muss Gespräche führen, Maßnahmen anstoßen und für das einstehen, was ich fordere. Auch wenn es Energie kostet und manch ein Kampf geführt werden muss.

Dabei kann ich auch viel gewinnen. Unabhängig davon, ob ich mein Ziel erreiche oder nicht, lerne ich vieles, was mir später nützlich sein wird. Ich lerne, wie Kultur gestaltet wird. Wie soziale Dynamiken funktionieren, Hierarchien umgangen werden können, wie Menschen inspiriert und geführt werden können. Und gleichzeitig werde ich dafür bezahlt.

Ich muss mich jedoch nicht für etwas aufreiben und ausbrennen, was möglicherweise unerreichbar ist. Somit muss ich mir ab einem gewissen Punkt die Frage stellen, ob ich alles mir Mögliche getan habe und ob die Kündigung nun mein finaler Schritt ist, um ein Zeichen zu setzen.

Dann ja. Dann kündige ich sofort.

Dennis Schenkel
Dennis Schenkel
Seit 2012 befasst sich Dennis Schenkel mit dem Aufbau von Communities und wie diese Einfluss auf die Arbeitswelt und Gesellschaft haben. Bei seinen verschiedenen Lebensstationen als Startup-Gründer, Unternehmensberater, Freiberufler und Veranstalter hatten Communities, Digitalisierung und gesellschaftliche Themen stets eine besonders wichtige Rolle inne. In der gegenwärtigen Arbeitswelt hat sich Dennis jedoch stets fehl am Platz gefühlt. Seit 2017 setzt er daher seine Erfahrungen und Kenntnisse als Initiator der Community Digital Misfits ein, um Status-Quo-Hinterfragende eine Plattform zu bieten, um von und miteinander zu lernen und um Talent in der digitalen Welt neu zu definieren. Eine Plattform, um Unternehmen die Chance zu bieten, ein besseres Verständnis für digitale Talente und deren Bedeutung für einen erfolgreichen Wandel zu entwickeln.

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