Misfits als Treiber der Veränderung – Zeige dein Anderssein

Wenn man in unserer Gesellschaft nicht dem klassischen Rollenbild entspricht, wenn man einen unüblichen Weg geht oder Meinungen vertritt, die nicht dem gängigen Bild entsprechen, kann dies zu einer Vielzahl von unangenehmen Situationen führen. Situationen, in denen man sich missverstanden, übergangen und ignoriert fühlt. Es kann sich anfühlen als würde man gegen den Strom schwimmen oder als würde man einfach nicht in dieses System gehören. Als wäre man ein Fehler und alle anderen wären normal. 

Es gibt viele Situationen, in denen man sich als ein solcher Misfit unwohl fühlen kann. Sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld. Daher ist es umso wichtiger zu verstehen, welche Handlungsoptionen man in diesen Situationen und in seinem Leben hat.

Die zwei Wege

Beim Umgang mit diesen unangenehmen Situationen kann man zwischen zwei Wegen wählen.

Der erste Weg ist geprägt von Akzeptanz und Unterdrückung. Akzeptanz für die eigene Disposition und Unterdrückung der eigenen Einzigartigkeit. Die eigenen Bedürfnisse, Interessen und Vorstellungen werden beiseite geschoben und es wird versucht sich dem gesellschaftlichen Korsett anzupassen. Es fühlt sich an wie ein Leben im Gleichschritt mit klar definierten Leitlinien und dem Ruhestand als Ziellinie.

Weggabelung, Quelle: Jordan McQueen (@jordanfmcqueen) - unsplash.com
Weggabelung, Quelle: Jordan McQueen (@jordanfmcqueen) – unsplash.com

Hierbei handelt es sich um den Weg, den die Mehrheit der Menschen seit Jahrzehnten in unserer Gesellschaft vorgelebt und propagiert bekommen. Wir sollen nicht anders sein, nicht irritieren und uns anpassen. Wir sollen reinpassen.

Und wer kann es dem System verübel, dass es genau diesen Weg bevorzugt? Die Stabilität unserer Gesellschaft hängt maßgeblich von diesen festen und verlässlichen Strukturen ab, in denen Menschen eben das tun, was von ihnen erwartet wird. Strukturen die umso stabiler werden, je mehr Menschen sich in diese eingliedern und nicht herausstechen.

Im Vergleich wirkt der zweite Schritt geradezu wie eine Revolution und eine Kriegserklärung an das System. Auf dem zweite Weg geht man proaktiv mit der eigenen Andersartigkeit um und erkennt es als wichtig an, sich selbst treu zu bleiben. Mit der damit einhergehenden Selbstwahrnehmung fällt es einfacher, die vorliegenden Missverhältnisse zu thematisieren und den eigenen Standpunkt deutlich zu kommunizieren.

Doch auch dieser Weg ist nicht frei von unangenehmen Gefühlen wie Selbstzweifel und Unsicherheit. Dieser zweite Weg wird in unserer Gesellschaft ungerne gesehen. Er bildet eine subtile Gefahr für die Stabilität und stellt alles infrage, was über die vergangenen Jahrhunderte etabliert wurde. Die Gefahr ist groß, dass man als verrückt erklärt wird oder man bekommt so lange Gegenwind zu spüren, bis man sich doch lieber wieder dem ersten Weg zuwendet.

Fortschritt verdanken wir Andersartigkeit

Obwohl dieser zweite Weg in unserer Gesellschaft ungerne gesehen ist, verdanken wir nahezu alle Errungenschaften und Veränderungen der Menschheit eben diesem zweiten Weg. Sowohl die positiven als auch die negativen Veränderungen wurden durch Menschen bewirkt, die sich diesem zweiten Weg verschrieben haben. Menschen, die sich nicht in ein vorgefertigtes System haben drücken lassen, sondern das System nach ihren eigenen Bedürfnissen anpassen wollten.

Für die Veränderung eines so soliden Systems, wie unserer Gesellschaft es ist, reicht es jedoch nicht, sich mit seiner Andersartigkeit im Keller zu verkriechen und auf Veränderung zu hoffen. Diese Menschen, die Veränderung bewirkt haben, haben das laut und für jeden Menschen sichtbar getan. Es war für sie letztendlich nur dadurch möglich, Veränderung zu bewirken. Aber wie?

Schauen wir uns doch einmal symbolisch eine Person wie Dr. Martin Luther King Jr. an und die Möglichkeiten, die ihm zur Verfügung standen. Er ist berühmt für seinen gewaltfreien Kampf gegen Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit. Nahezu jeder Mensch kennt seine Rede und seinen darin beschriebenen Traum, dass eines Tages schwarze und weiße Menschen in Frieden und Freundschaft miteinander leben werden. Und insbesondere durch seinen Einsatz ist das Civil Rights Movement zu eben jener Massenbewegung geworden, die sie schließlich war.

Martin Luther King: Unseen Histories (@unseenhistories) - unsplash.com
Martin Luther King: Unseen Histories (@unseenhistories) – unsplash.com

Dr. Martin Luther King Jr. hatte keinen Zugriff auf die Presse wie wir es in einer freien Demokratie erwarten. In einer Gesellschaft von Rassentrennung fungierten Redaktionen als Gatekeeper und unterdrückten systematisch die Berichterstattung über Aktivitäten von Dr. King. Er lebte in einer Welt, in der schwarze Menschen gemeinhin unterdrückt und schnell zum Opfer von Diskriminierung werden konnten. Es gab kein Internet. Keine Plattformen wie Facebook oder LinkedIn. Es gab kein Google und keine Blogs. Keine Newsletter, Podcasts oder Video-Meetings. Und trotz dieser gewaltigen Herausforderungen und offensichtlichen Risiken ist er für seine Überzeugung laut geworden und hat das System nach seinen Bedürfnissen verändert.

Doch wie hat er das geschafft? Wie hat Dr. Martin Luther King Jr. in einer Welt ohne Internet, ohne Plattformen wie Facebook und LinkedIn und ohne die dadurch potenzielle Reichweite geschafft, was er geschafft hat?

  • Das eigene Talent erkennen und nutzen

Dr. King erkannte schon früh sein Talent für das Halten von Reden und er baute dieses Talent aus. Auch wenn es vielen Menschen schwer fällt, das eigene Talent zu erkennen, so ist es doch ein sehr wichtiger Grundstein. Erst wenn wir unsere eigenen Talente erkennen, können wir diese für unsere Ziele nutzen.

  • Klein anfangen

Es existiert in den Medien das häufig fälschlich vermittelte Bild des Shooting-Stars bzw. des Erfolgs über Nacht. Doch dabei handelt es sich häufig um einen Mythos. Jeder erfolgreiche Mensch hat einen langen Weg hinter sich und hat klein angefangen. So hat auch Dr. King erst als Hilfsprediger für seinen Vater angefangen und ist kleine Schritte gegangen. So wurde er nach seinem Studium Pfarrer, dann Pastor und schloss sich schließlich ersten kleineren Bewegungen an.

  • Gelegenheiten erkennen und nutzen

Selbstzweifel sind leider ein ständiger Begleiter vieler Menschen und führen allzu oft dazu, dass wir Gelegenheiten nicht nutzen. Oder wir erkennen diese Gelegenheiten und unsere Rolle in ihnen nicht. Wenn wir unserer Selbst und unseren Zielen jedoch bewusst sind, erkennen wir auch schneller die Gelegenheiten, die sich uns zeigen. So ist es auch Dr. King ergangen, der mit nur 26 Jahren zum Leiter einer ersten Boykottaktion wurde.

  • Eine Vision haben und kommunizieren

Jedoch ist es von größter Bedeutung für das eigene Selbstbild, eine eigene Vision und die eigene Rolle in dieser zu entwickeln. Nur wenn diese Vision stimmig ist und andere Menschen begeistert, kann auch wirklich etwas Größeres daraus entstehen. Erst wenn sie auch kommuniziert wird, können sich andere Menschen dieser Vision anschließen und gemeinsam Veränderung bewirken. Für die Kommunikation seiner Vision ist Dr. King weltweit berühmt geworden.

  • Verbündete suchen

Veränderung wird nicht alleine, sondern gemeinsam bewirkt. Es braucht viele Menschen, um in einer Gesellschaft eine neue Richtung einzuschlagen. Es braucht also Verbündete, die gemeinsam eine gemeinsame Vision verfolgen. Der Aufbau eines solchen Netzwerks an Verbündeten braucht Zeit und geschieht immer ein Mensch nach dem anderen. Durch das so aufgebaute Netzwerk konnte die Vision von Dr. King auch über seinen Tod hinaus weiter verfolgt werden.

  • Harte Arbeit

Nachhaltige Veränderung zu bewirken ist harte Arbeit und geschieht nicht einfach so nebenbei. Leider ist auch hier das Bild durch den Mythos des “Overnight Success” verfälscht. Viele Menschen unterschätzen den Aufwand und die Kraftanstrengungen, die es benötigt, bei weitem. So zeigt auch das Beispiel von Dr. King, dass er sich und sein gesamtes Leben seiner Aufgabe verschrieben hat. 

  • Falsche Illusionen

Um Veränderung zu bewirken, dauert es sehr lange und es warten unzählige Niederlagen auf einen. Der Weg ist nicht gesäumt von Champagner und Kaviar, sondern von Steinen und anderen Hindernissen. So könnte auch Dr. King von zahlreichen Rückschlägen berichten, wenn er nicht den höchsten Preis gezahlt hätte und für den Wunsch von Veränderung ermordet worden wäre. 

Was ist unsere Ausrede?

Wenn Dr. King nicht mal das Internet hatte, zu einer unterdrückten Minderheit gehörte und trotzdem das erreicht hat, was er erreicht hat, was könnten jeder von uns erreichen, wenn wir den Mut aufbringen und uns mit unseren Überzeugungen zeigen?

Unsere größte Angst ist die, was unsere Mitmenschen von uns denken. Wir werden nicht unterdrückt oder systematisch am Handeln gehindert. Wir haben das Recht der freien Meinungsäußerung und ein Megafon namens „Internet“ in unserer Hand.

Was ist unsere Ausrede? Warum werden wir nicht für den Wandel aktiv, den wir uns wünschen? Zeigen wir uns! Zeigen wir unsere Überzeugung! Nutzen wir die Mittel, die uns zur Verfügung stehen. Stehen wir für unsere Überzeugungen ein und lassen uns nicht vom gesellschaftlichen Druck verstummen.

Gehen wir den Weg, stolz zu unserem Anderssein zu stehen und dies klar zu kommunizieren!

Dennis Schenkel
Seit 2012 befasst sich Dennis Schenkel mit dem Aufbau von Communities und wie diese Einfluss auf die Arbeitswelt und Gesellschaft haben. Bei seinen verschiedenen Lebensstationen als Startup-Gründer, Unternehmensberater, Freiberufler und Veranstalter hatten Communities, Digitalisierung und gesellschaftliche Themen stets eine besonders wichtige Rolle inne. In der gegenwärtigen Arbeitswelt hat sich Dennis jedoch stets fehl am Platz gefühlt. Seit 2017 setzt er daher seine Erfahrungen und Kenntnisse als Initiator der Community Digital Misfits ein, um Status-Quo-Hinterfragende eine Plattform zu bieten, um von und miteinander zu lernen und um Talent in der digitalen Welt neu zu definieren. Eine Plattform, um Unternehmen die Chance zu bieten, ein besseres Verständnis für digitale Talente und deren Bedeutung für einen erfolgreichen Wandel zu entwickeln.

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