Ohne Misfits kein Wandel – Vom Fehler im System zum Treiber der Veränderung

Mit der Entstehungsgeschichte von Digital Misfits geht eine Leidensgeschichte einher. Eine Geschichte von Widerstände, Ablehnung und Selbstzweifel. Aber auch eine Geschichte von Überzeugung, Willensstärke und Selbstbewusstsein. 

Als Misfits verstehen wir jene Menschen, die keinen klassischen Lebensweg vorzuweisen haben: Ungradlinige Lebensläufe, diverseste Interessensgebiete, kreativste Ausschweifungen und unkonventionelles Verhalten. Menschen, die man sich nur schwer in einem klassischen Angestelltenverhältnis vorstellen kann. 

Eine Geschichte der Ablehnung

Und genau hier beginnt der traurige Teil der Geschichte. Diese Menschen, diese Misfits, erfahren in ihrem Leben und insbesondere in ihrem Arbeitsleben unzählige Zurückweisungen aufgrund ihrer Art und ihres Lebenswegs. Trotz zahlreicher Fähigkeiten (oft autodidaktisch angeeignet und ohne Zertifizierung) und großer Motivation sich zu beweisen, wird diesen Menschen nur äußerst selten eine Chance geboten. Üblicherweise erhalten sie auf Bewerbungen in der klassischen Wirtschaft nur Absagen, wenn sie denn überhaupt eine Rückmeldung erhalten. 

Das Bild eines Misfits ist zu kompliziert und zu schwer einzuordnen für ein System, das auf einer verlässlichen Struktur von Schubladendenke aufgebaut ist. Entscheidungsträger im Einstellungsprozess setzen nur ungern ihre eigene Reputation aufs Spiel, indem sie einer mutmaßlichen Zeitbombe eine Stelle anbieten. „Sicher ist sicher“ lautet die Devise und man geht lieber mit dem, was man kennt: Bewerber*innen mit einem sauberen Lebenslauf, ohne Kapriolen und kreativen Auswüchse, die später vermeintlich nur zu Problemen führen. Man geht also mit einem weiteren, verlässlichen Zahnrad für die Maschine. 

Misfit – Eine Geschichte der Ablehnung, Quelle: Daniel Reche

Auch wenn es auf Konferenzen und in der Presse zunehmend heißt „Hire for attitude, train for skills“, so wagen es sich doch kaum Entscheider*innen mit diesem Leitsatz zu gehen und den eigenen Kopf zu riskieren. Sollen das doch lieber die anderen machen. 

Somit wird jedoch nicht nur ein immer größer werdender Teil des Talentpools übersehen, sondern  führt dieses Verhalten nach und nach zu einer Desillusionierung bei diesen Talenten. In der Folge kommt es zur Abnahme des Selbstvertrauens, Muts und der Leistungsbereitschaft. Immer mehr fühlen sich diese Menschen wie der Fehler im System und leiden unter einem zunehmend stärkeren Gefühl der Wertlosigkeit. 

Der Fehler im System oder das fehlerhafte System?

Ein System, welches sich langsam und über lange Zeit entwickeln konnte, tat gut daran, feste Strukturen mit klaren Leitlinien zu etablieren. Eine Schubladendenke mit konservativen Perspektiven garantierte Stabilität und verhinderte unliebsame Überraschungen. Diese Einstellung bildete seit der Industrialisierung eine verlässliche Basis für zunehmenden Wohlstand und Wachstum in unserer Gesellschaft. 

Die Geschwindigkeit der Veränderung hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten massiv und exponentiell gesteigert. Das so erreiche Maß der Veränderung wird zunehmend zur Herausforderung für Systeme mit den eben beschriebenen Strukturen. Was über hundert Jahre für das Überleben und sogar für Wohlstand und Wachstum von größter Bedeutung war, wird in einem Umfeld stetiger und rapider Veränderungen zum großen Nachteil. 

Ähnlich wie in Darwins Evolutionstheorie wird nun auch in unserer Gesellschaft die Anpassungsfähigkeit von Unternehmen und Organisationen für diese überlebenswichtig. Womit das System, was auf stabilen Strukturen und Schubladendenke aufgebaut ist, zunehmend in Lebensgefahr gerät. 

Und an dieser Stelle wandelt sich die Geschichte der Ablehnung: Aus den Fehlern im System können nun die Retter*innen des Systems werden. 

Retter*innen des Systems: Überzeugung, Willensstärke und Selbstbewusstsein

In Zeiten, in denen es zunehmend darum geht sich an die sich ändernden Umstände anzupassen und außerhalb der vormals ausgetrampelten Pfade zu bewegen, werden Misfits nun zum überlebenswichtigen Faktor. Menschen, die ohnehin nicht den vorgegebenen Wegen gefolgt sind, werden jetzt gebraucht, um neue und unbekannte Wege zu erkunden. 

Retter*innen des Systems, Quelle: Dollar Gill

Übersetzt auf die Wirklichkeit der Arbeitswelt bedeutet dies, dass nun Menschen eine besondere Rolle zukommt, die kreativ und risikobereit sind und stets eine andere Perspektive mit an den Tisch bringen. Menschen, die sich Fähigkeiten angeeignet haben, die nicht offensichtlich oder auf den ersten Blick zu erkennen sind. Menschen, die eigene Interessen mit einbringen und durch die Aussicht auf Veränderung intrinsisch motiviert werden. 

Nun liegt es jedoch nicht an der Gesellschaft auf die Misfits zuzugehen und sie darum zu bitten, das bestehende System zu modernisieren. Es liegt an den Misfits, die eigene Rolle zu finden und mit Mut anzutreten. Misfits brauchen nun die Überzeugung, dass unsere Gesellschaft sie braucht, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Misfits brauchen die Willensstärke und das Selbstbewusstsein, um die Veränderung anzutreiben, die sie sich für die Arbeitswelt und Gesellschaft wünschen. Sie müssen als Vorbilder vorangehen und andere Menschen motivieren es ihnen gleich zu tun. 

Es liegt nun an den Misfits, aus der Geschichte der Ablehnung eine Geschichte des Aufstiegs, der Erneuerung und des Triumphs zu machen. Ein weiteres Suhlen in Selbstmitleid stellt keine Alternative dar. Stattdessen gilt es sich zu vernetzen, sich Weggefährt*innen zu suchen und gemeinsam Wandel zu bewirken. 

Wandel in sich selbst.

Wandel im eigenen direkten Umfeld.

Wandel am Arbeitsplatz. 

All dies führt letztendlich zu einem Wandel in der Gesellschaft.

Dennis Schenkel
Seit 2012 befasst sich Dennis Schenkel mit dem Aufbau von Communities und wie diese Einfluss auf die Arbeitswelt und Gesellschaft haben. Bei seinen verschiedenen Lebensstationen als Startup-Gründer, Unternehmensberater, Freiberufler und Veranstalter hatten Communities, Digitalisierung und gesellschaftliche Themen stets eine besonders wichtige Rolle inne. In der gegenwärtigen Arbeitswelt hat sich Dennis jedoch stets fehl am Platz gefühlt. Seit 2017 setzt er daher seine Erfahrungen und Kenntnisse als Initiator der Community Digital Misfits ein, um Status-Quo-Hinterfragende eine Plattform zu bieten, um von und miteinander zu lernen und um Talent in der digitalen Welt neu zu definieren. Eine Plattform, um Unternehmen die Chance zu bieten, ein besseres Verständnis für digitale Talente und deren Bedeutung für einen erfolgreichen Wandel zu entwickeln.

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