Was wir von anderen Ländern über “Neues Arbeiten” lernen können

Modernes Arbeiten zeichnet sich dadurch aus, Silos abzubauen und neue Blickwinkel zuzulassen. Blickwinkel, die wir jenseits der eigenen Abteilung, des eigenen Unternehmens oder der eigenen Branche finden.

Ich lade dich ein, eine Nummer größer zu denken.

Welche Impulse, Perspektiven und Handlungsoptionen können wir erst gewinnen, wenn wir den Blick über den Tellerrand unseres Landes wagen?

Um wertvolle Einblicke zu erhalten, habe ich Anna Schnell zum Interview geladen. Anna ist nicht nur Unternehmerin & Beraterin @ MoWoMind, Speakerin, Autorin und Digital Misfit. Sie hat gemeinsam mit Nils Schnell auf ihrer “Modern Work Tour” ergründet, wie “Neues Arbeiten” in anderen Ländern gelebt und gefördert wird.
In ihre Eindrücke, Analysen und Erkenntnisse aus 34 Ländern können wir in ihrem neuesten Buch (“Die Modern Work Tour – eine Weltreise in die Zukunft unserer Arbeit”) eintauchen und uns von konkreten Handlungsoptionen für die eigene Arbeit inspirieren lassen.

Ich spreche mit Anna unter anderem darüber, was wir in Deutschland in Sachen “Modern Work” eigentlich von anderen Ländern lernen können, um uns besser für die Zukunft aufzustellen und welche Rolle unsere “German Angst” hierbei spielt.

Doch ließ selbst:

Dajana: “Ihr habt neun Modern-Work-Prinzipien erarbeitet. Diese nutzt ihr als Leitfaden eurer Modern Work Tour, um konkrete Beispiele moderner Arbeit vorzustellen und zu diskutieren. Welche Prinzipien sind das?”

Anna: “Wir haben auf der Modern Work Tour fast 50 Interviews geführt mit Gründer*innen, Teams und Coaches in 34 Ländern. Da waren viele spannende Geschichten dabei, um noch besser herauszufinden, wie weltweit eigentlich modern gearbeitet wird. Entstanden sind daraus die neun Modern Work Prinzipien “Sinn ermöglichen”, “Mensch im Mittelpunkt”, “Wachstumsmindset stärken”, “Fähigkeiten entfalten”, “Transparenz und Offenheit”, “Selbstbestimmung und Verantwortung”, “Lernen und Wissen teilen”, “Nachhaltigkeit” und “Vielfalt”. In unserem Buch “Die Modern Work Tour – eine Weltreise in die Zukunft unserer Arbeit” stellen wir jedes Prinzip anhand eines Unternehmens auf der Modernen Walz vor und erläutern, was wir darunter verstehen. Wir selbst haben auf unserer Reise auch viel für unsere Arbeitsweisen gelernt, was wir in den vielen, teilweise skurrilen Reiseanekdoten erzählen.”

Die Weltkarte zeigt Annas und Nils’ Route durch 34 Länder auf vier Kontinenten (Quelle: MoWoMind)

Dajana: “Was macht Deutschland im Bereich Modern Work anders als andere Länder?”

Anna: “Für ich macht Deutschland schon vieles gut, aber häufig noch zu zaghaft und manchmal zu sehr mit dem Blick auf Defizite. Darin ist Deutschland aber auch sehr gut und wird fast überall auf der Welt hoch geschätzt. Qualitätsstandards, Genauigkeit und Ordnung waren die häufigsten Begriffe, mit denen Deutschland auf der Modern Work Tour beschrieben wurde. Wir haben einen enormen Schatz an Erfahrungen und Wissen, wenn wir es jetzt noch schaffen, mutiger zu sein und Fehler zuzulassen, um uns weiterzuentwickeln, wäre das eine unschlagbare Mischung! In vielen afrikanischen Ländern haben wir eine Smartheit mit gesundem Pragmatismus kennengelernt – so können Initiativen viel schneller angegangen werden. In Indonesien haben wir erlebt wie Leapfrogging passiert – hier überspringt man beispielsweise die Kreditkarte und geht von klassischen Bankkonto direkt in Mobile Money.”


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Buchtrailer “Die Modern Work Tour – eine Weltreise in die Zukunft unserer Arbeit”

Dajana: “Deutschland ist für seine „German Angst“ weltweit bekannt. Wie begegnen andere Länder, Ängsten vor der Digitalisierung und was macht das mit unserer Arbeit?”

Anna: “Die berüchtigte “German Angst” – ich denke, dass sie uns hier in Deutschland hemmt und der Fokus dadurch zu sehr auf eine unbefriedigende Sicherheit gesetzt wird, anstatt mutig und selbstbestimmt das zu tun, was den Puls höher schlagen lässt. Doch genau das sollten wir viel mehr bei dem empfinden, was wir zum Großteil in unserem Leben tun: Arbeiten! Wenn ein Stein ins Wasser fällt, zieht er weiter Kreise – das ist auch bei der Selbstbestimmung so, denke ich. Wenn wir spannende Projekte angehen und mutige Schritte im Berufsleben wagen, fällt es uns leichter mit Unsicherheit umzugehen. Die letzten 1,5 Jahre haben uns mehr als genug vor Augen geführt, wie wichtig das schon jetzt ist.”

Dajana: “Welches Land hat euch mit Blick auf Modern Work besonders beeindruckt und warum?”

Anna: “Wir haben tatsächlich überall auf der Modernen Walz Menschen kennengelernt, die Arbeit anders wahrnehmen und proaktiv gestalten wollen. Da waren Tel Aviv in Israel, Shenzhen in China, Nairobi in Kenia oder Sydney in Australien klar Hotspots. Aber auch Hidden Gems wie Ulaanbaatar in der Mongolei, Kigali in Ruanda oder Tirana in Albanien haben uns das auf verschiedene Weise gezeigt. Überrascht wurde ich gleich zu Beginn in Sarajevo in Bosnien-Herzegowina: Dort haben wir das Tech-Unternehmen “Symphony” kennengelernt, das kräftig wächst. Die Mitarbeitenden sind besorgt, dass ihre Unternehmenskultur und ihre effektiven Arbeitsweisen mit zunehmender Größe verloren gehen. Also treffen sie eine Entscheidung, dass grundlegend für das gesamte Unternehmen ist: Jeder Standort von Symphony soll nicht mehr als ca. 80 Mitarbeitende haben. Jedes Mal wenn mehr als 80 Menschen an einem Ort arbeiten, wird ein neuer Standort erschlossen. Das verändert die Positionierung und Struktur des Unternehmens stark, denn inzwischen gibt es Standorte in elf Städten im Balkan und weltweit. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als “people-focused”, wo die Kultur der Mitarbeitenden, die Struktur des Unternehmens beeinflusst. Das funktioniert manchmal mit ungewohnten Vorgehensweisen, wie Symphony erfolgreich zeigt.”

Anna beim Arbeiten in Kunming, China (Quelle: MoWoMind)

Dajana: “Was ist dein persönlicher Aha-Moment der Reise?”

Anna: “Es gab so viele AHA-Momente auf der Modern Work Tour, dass es mir schwer fällt einen herauszupicken. Ich denke gerne an einen Moment in Westaustralien, wo wir uns auf einem Roadtrip im Sand festgefahren haben. Ein älterer Australier hielt schon bald mit seinem Jeep an, besah sich den Wagen und fragte uns, ob er es mal probieren könnte. Innerhalb ein paar Minuten hatte er den Wagen aus der Sandgrube bugsiert. Er fragte uns, ob wir verstanden haben, wie er das gemacht hatte, nachdem er es uns auch noch einmal erklärt hatte. Als wir bejahten, stieg er in unseren Jeep und fuhr ihn wieder in die Grube. “Jetzt seid ihr dran” sagte er nur und wartete ganz entspannt die bestimmt zehn Minuten ab, die wir brauchten, um unseren Wagen heraus zu manövrieren. “Geht doch, und gelernt habt ihr nun auch etwas. Mir könnt ihr dann das Fahren im Schnee beibringen, denn das kann ich sicherlich nicht.” meinte er dann achselzuckend. Für mich war das Augen öffnend, wenn es darum geht mit Menschen zusammenzuarbeiten, sein Ego zurückzunehmen und Fähigkeiten bei anderen zu entfalten.”


Mein herzlichster Dank gilt Anna für die wertvollen Einblicke in die Modern Work Tour. Wer mehr von Annas und Nils’ Erfahrungen lernen möchte, dem empfehle ich ihr Buch “Die Modern Work Tour – eine Weltreise in die Zukunft unserer Arbeit”.

In diesem Sinne
viel Spaß beim Blick über den Tellerrand
Dajana

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Dajana Laubehttps://www.dajana.digital/
Mit knapp 10 Jahren in der Digital-Branche widmet sich Dajana Laube seit 2018 dem Kulturwandel. Sie brennt dafür Menschlichkeit und unsere menschlichen Skills in der Arbeitswelt und Gesellschaft der Zukunft zu fördern. Bei Digital Misfits vereint sie ihr persönliches Why mit ihrer Leidenschaft Community Building & Engagement, Event Management und Content Creation.

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