Tools der Stressbewältigung – Achtsamkeit und MBSR

Für viele Menschen ist Arbeit mit Stress verbunden. Stress sich im Job beweisen zu müssen. Stress immer 100% zu geben. Stress, der durch ständigen Druck von oben ausgelöst wird. Ein wichtiges Meeting, ein wichtiger Vertragsabschluss, die Präsentation die unbedingt auf den Punkt akkurat sein soll, die kommenden Quartalszahlen müssen positiv ausfallen oder die Kunden müssen glücklich sein. Aber es gibt auch Stress, den wir uns selber machen beispielsweise durch zu hohe Ansprüche an uns selbst. Gründe für Stress gibt es viele.

Die immer noch vorherrschende Meinung von Arbeit und Unternehmertum ist geprägt von Gewinnmaximierung, von Investor*innen und Aktionär*innen, deren Dividenden jährlich immer neue Höhen erreichen müssen. Der Mensch und die Arbeit die er tut, werden als Ressource gesehen, als Mittel zum Zweck. Der Zweck, das sind Gewinne und Wachstum. Das System befördert also Stress und der Mensch bleibt dabei oft auf der Strecke. 

Diese Strukturen aufzubrechen fängt bei Jedem und Jeder Einzelnen von uns persönlich an. Manche Menschen sind von Natur aus sehr stressresistent. Ich beneide solche Menschen. Sie haben eine Art Goretex-Beschichtung, die Stress abperlen lässt. Sie lassen Stress also nicht wirklich an sich heran und leiden dementsprechend nicht darunter. Oder sie können ihn einfach gut kompensieren.
Die andere Sorte Mensch nehmen sich Stress oft mehr zu Herzen. Ich gehöre auch zu dieser Sorte Mensch. Ich neige dazu Stress mit in den Feierabend oder das Wochenende zu nehmen. Das fühlt sich an manchen Tagen sehr belastend an. Ich schlafe mitunter schlecht, fange an zu grübeln und zu zweifeln. An mir, an der Arbeit, an dem Weg, den ich eingeschlagen habe. Die Reaktionen auf Stress sind vielfältig und münden oft in (psychosomatischen) Reaktionen wie Magenschmerzen, Kopfschmerzen, allgemeines Unwohlsein – oder in Extremfällen bis hin zu Depressionen. Auch ich schlafe bei viel Stress weniger oder liege manchmal länger wach, das passiert.
 

Stressbewältigung durch MBSR
Die gute Nachricht ist: Man kann Stressresistenz lernen. Wie bei so Vielem, kommt es auf die innere Einstellung zu uns und den Dingen gegenüber an. Man kann trainieren mit Stress besser umzugehen und ihn bewusst wahrzunehmen. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion ist dabei sicher sehr hilfreich, denn sie fördert die Wahrnehmung zu erkennen, wann man im Stress ist und wieso. Und sie hilft im Umkehrschluss dabei, sich dafür zu sensibilisieren. 

Woher ich das weiß? Nunja, ich habe es selbst ausprobiert. Ab einem bestimmten Punkt wollte ich dem Stress und den Gefühlen die er in mir auslöst nicht mehr machtlos gegenüber stehen. Ich wollte nicht mehr, dass es mich bedrückt. Dann habe ich ein wenig recherchiert und bin auf ein spezielles „Training“ gestoßen, das mir dabei helfen sollte besser mit Stress umzugehen.

Solch ein Training ist Achtsamkeit und MBSR. MBSR steht dabei für „Mindful Based Stress Reduction“.
Das MBSR Training ist ein in der Regel acht Wochen andauerndes Programm, das klinisch erprobt ist und vereint Übungen aus Yoga, Meditation, Achtsamkeit und Atemtechniken. Wichtig ist es diese acht Wochen auch durchzuhalten und ein offenes Gewahrsein beizubehalten. Das hilft dabei sich mit allen Sinnen darauf einzulassen.
Ich war zu Beginn etwas skeptisch, aber es hat mich recht schnell überzeugt. Eine gesunde Skepsis zu haben ist auch nicht schlimm. Jon Kabat-Zinn, der Begründer der MBSR-Methode, sagt selbst in seinem Buch: „Sie müssen die Übungen nicht gerne machen. Sie müssen sie nur machen. Am Ende der acht Wochen können sie dann selbst entscheiden ob es ihnen geholfen hat oder nicht.“ Was soll ich sagen: Es hat mir geholfen. Aber es braucht natürlich Ausdauer und persönliches Engagement.

Bei der Stressbewältigung und der Stressresistenz geht es vor allem um die innere Einstellung. Diese Einstellung kann man lernen und Vieles verinnerlichen, was uns bei der Bewältigung von Stress hilft. Dabei ist es wichtig regelmäßig zu üben. Denn unser Geist, ist wie ein Muskel – er braucht Training. Beim MBSR Training handelt es sich wie gesagt um praktische, klinische und auf Studien basierende Erfahrungen. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen oder bezuschussen diesen Kurs sogar. Es ist also keine Esoterik oder Hokuspokus. Eine vorsichtige Skepsis demgegenüber sollte hier auch kein Hinderungsgrund sein. Gibt man MBSR in eine Suchmaschine ein, so findet man recht schnell gute Adressen. Oder man schaut auf der Website seiner Krankenkasse gleich selbst. Diese führen solche Kurse meist auch.

Ihr seht – ihr seid eurem Stress und den körperlichen Einschränkungen die damit oft einhergehen können nicht machtlos ausgeliefert. Ganz im Gegenteil – ihr könnt aktiv etwas dagegen tun und seid dem Stress und den Gefühlen die er auslöst nicht passiv und machtlos gegenüber. Es mag anfangs etwas Überwindung kosten aber ich versichere euch aus persönlicher Erfahrung: Es lohnt sich!

Karim Zorgati
Nach seiner Ausbildung zum Hotelfachmann, reiste er durch die Welt, studierte Politik- und Islamwissenschaften, überquerte den Atlantik auf einem Segelboot – und landete schließlich bei den Digital Misfits. Karim hat sich der Achtsamkeit und der Reflexion verschrieben und ist ehrenamtlich als Kommunikations-Tausendsassa für unsere PR & Pressearbeit tätig. Nebenbei textet er für Marketing und Social Media.

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