New Work? Blödsinn!

Mit Digital Misfits werden wir leider sehr häufig zu der New Work Bewegung gezählt. In fast jedem Gespräch darf ich mir anhören, dass wir ja wirklich toll das New Work Thema bespielen und ich merke meinen inneren Widerwillen wachsen. Wir werden in die New Work Schublade geschoben und ich finde das nicht gut. Aus den folgenden Gründen.

Pervertierung von New Work

Was aktuell geschieht, ist eine Pervertierung des Begriffs „New Work“ und es wird ein unfaires Spiel mit den Hoffnungen der Arbeiterschaft gespielt. Wie es Stephan Grabmeier in seinem Gastbeitrag im Manager Magazin so schön auf den Punkt brachte: „Viele Firmen sehen in New Work aber lediglich Methoden, Angestellte raffinierter zu domestizieren und auszubeuten.“ (Quelle)

Das, was der Erfinder Frithjof Bergmann unter „New Work“ versteht und was er damit bewegen will, ist nun wirklich nicht das, was gegenwärtig von allen Dächern gerufen wird. Doch leider glauben zu viele Menschen und Unternehmen den lauten Rufen. Dies führt zu immer mehr Unternehmen, die einem falschen Verständnis von New Work folgen und ihre Beschäftigten mit einer vermeintlich goldenen Arbeitswelt blenden.

Gemessen an Bergmanns‘ Definition würde ich niemals von Digital Misfits behaupten, dass wir dem Begriff New Work gerecht werden. Außerdem weigere ich mich, wenn Digital Misfits den New Work Stempel aufgedrückt bekommt und zu der Pervertierung beiträgt. Wir wollen eine offene Community sein, die die Arbeitswelt der Zukunft gemeinsam gestaltet. Wie auch immer diese aussehen wird.

Treibt die Sau durchs Dorf!

Nun sehen wir überall selbsternannte Berater und Experten, die offensichtlich die New Work Weisheit mit dem Löffel gefressen haben. Sie können scheinbar in die Glaskugel sehen und wissen ganz genau, wie Leadership, Organisationsstrukturen und Arbeitsmodelle in der Zukunft aussehen müssen. Bringt ja auch seit jeher viel Geld, die Zukunft so gut zu kennen. Diese neue Welt der Arbeit wird jedoch gerade erst geschaffen und vielleicht sogar ganz anders aussehen als erahnt. Vielleicht wird das auch sowas wie „Post Work“ oder „Beyond Work“.

Ich bin mir jedoch sicher, dass die Arbeitswelt der Zukunft nicht durch selektive Teilhabe entsteht. Sie entsteht durch einen offenen Austausch über Hierarchieebenen, Einkommensschichten, Bildungsgrade und Weltanschauungen hinweg. Der Begriff New Work ist jedoch momentan so im Hype, dass sich leicht Event-Tickets für vierstellige Preise verkaufen lassen. Mit solchen Preisen findet jedoch eine Selektion statt, was die Teilnehmenden der Veranstaltungen anbelangt. Nicht jeder kann sich die Teilnahme leisten oder bekommt sie vom Unternehmen bezahlt. Dies ist leider auch das Todesurteil für jegliche Diversität vor Ort. Doch ist dies vielleicht für die teilnehmenden finanzpotenten Führungskräfte dann noch eher ein positiver Nebeneffekt.

Lieber sollte auf diesen Events eine Beweihräucherung in den Chefetagen ermöglicht werden. Die Schlipsträger tummeln sich auf Veranstaltungen rund um New Work und feiern sich dafür, wie toll und modern ihre Unternehmen doch sind. Dabei verwechseln sie die wahre Idee hinter „New Work“ mit einer Methode, um Sklaven mit einer Aussicht auf eine bessere Zukunft von der Revolte abzuhalten.

Lauft den Marathon, nicht den Sprint

Mit Digital Misfits wollen wir eine neue Arbeitswelt in der Zukunft und nicht jetzt neue Arbeit. Wir wollen uns Zeit nehmen für das Gestalten dieser neuen Arbeitswelt. Wir wollen uns offen austauschen, um uns darüber klar zu werden, was wir wollen und was wir nicht wollen. Aber das braucht Besonnenheit und Zeit. Das passiert nicht von jetzt auf gleich.

Glaubt nicht dem Hype. Die Zukunft der Arbeitswelt wird nicht über ein paar Events, flexible Arbeitszeitmodelle, moderne Raumkonzepte und spaßige Innovationsmethoden entstehen. Dieser Entwicklungsprozess ist ein Marathon und wir müssen einen langen Atem haben. Denkt am besten in Dekaden statt in Jahren.

Wir sehen uns also beim Digital Misfits Festival 2030!

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Über den Autor

Dennis Schenkel ist Unternehmer und Berater mit Fokus auf Marketing, Innovation und digitale Transformation. Seit 2013 zählt er zu den führenden Köpfen bei Themen wie Crowdsourcing, Open Innovation und neue Arbeitsmodelle. Dennis fühlt sich in der gegenwärtigen Arbeitswelt selber deplatziert und setzt sich seit 2017 als Initiator von Digital Misfits für ein besseres Verständnis von digitalen Talente und in der Arbeitswelt ein.

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