Digital Personal Branding: 3 Gebote für Digital Misfits

Beim Digital Misfits Barcamp im Dezember 2018 durfte ich einer interessanten Diskussion lauschen. Es ging darum, wie Menschen und Unternehmen zukünftig zusammenfinden werden in einer Welt, in der Jobanforderungen sich schnell ändern und gerade Lebensläufe der Vergangenheit angehören.

Der Tenor auf der Seite der Unternehmen: „Wir würden ja gerne „Digital Misfits“ mit buntem Lebenslauf einstellen, aber wir finden sie ja nicht mal.“

Der Tenor auf der digitalen Talentseite, den „Digital Misfits“: „Bei vielen Unternehmen verstehe ich gar nicht, wen sie genau suchen und wie deren Unternehmenskultur ist!“

Ein klassisches Dilemma im Active Sourcing nach passenden Talenten – und nicht nur dort. Sind diese Talente erst einmal im Unternehmen, fehlt es oft an Wissen darüber, welche wertvollen Potenziale noch in ihnen schlummern. Talenten und Unternehmen entgehen dadurch gleichermaßen wertvolle Chancen.

Ich möchte eine Lösung vorstellen, die ich nicht nur in diesem Kontext für sehr hilfreich halte. In meinen 4 Jahren Selbstständigkeit habe ich schnell gelernt wie wichtig es ist, den eigenen Mehrwert für die relevante Zielgruppe klar umreißen zu können. Dieses Wissen hilft auch Talenten dabei, sich im Zeitalter des Active Sourcings klar zu positionieren, gefunden und angefragt zu werden. Und wenn sie dann im Unternehmen sind, hilft es ihnen dabei, ihren Karriereweg gezielter zu steuern indem sie ihr Wissen gekonnt an der richtigen Stelle einbringen und sichtbar machen.

Zunächst die Basics: Was ist eigentlich (Digital) Personal Branding?

Jeder hat eine Personal Brand. Und fast jeder auch eine Digital Personal Brand in der Online Welt. Dabei ist es nicht entscheidend, wie viele Menschen uns kennen, sondern welchen Mehrwert wir für andere bieten.

Damit kommen wir auch schon zur ersten Regel beim Personal Branding:
Kein Personal Branding ohne Wert für andere. Ich lade Dich an dieser Stelle ein, Dich von der Angst der reinen Selbstdarstellung zu verabschieden. Wen auch immer du gerade als Paradebeispiel dafür im Kopf hast: Darum geht es bei Personal Branding nicht. Personal Branding dient als Werkzeug um Menschen klar aufzuzeigen, welchen Wert du vermittelst und damit Chancen auf beiden Seiten zu ermöglichen. 

Das bringt uns zur Definition von Digital Personal Branding:
Digital Personal Branding ist ein stetiger Prozess, bei dem Du Deinen Wert klar definierst und diesen an Deine Zielgruppe durch geeignete Kanäle kommunizierst.

Die 3 effektivsten Säulen Deiner Digital Personal Brand

1) Der Personal Branding Pitch

Unsere Titel werden länger, komplizierter und unklarer, denn auch unsere Aufgaben werden vielfältiger und komplexer. Das gilt insbesondere für digitale Berufe. Um eine Orientierung bei Deinem Gegenüber zu schaffen, die im Kopf bleibt, bedarf es einer klaren Beschreibung dessen, was Dein Mehrwert ist, für wen und wie du diesen Mehrwert erbringst. Das nennt sich dann „Personal Branding Pitch“ (analog zu dem Elevator Pitch eines Start-ups).

Was macht einen Personal Branding Pitch aus, der im Kopf bleibt?

  • Er ist 2 – 3 Sätze lang
  • Einfach formuliert (keine Schachtelsätze, komplizierten Fachbegriffe etc.)
  • Er beantwortet die Fragen: Was ist Dein Wert und für wen? Optional: Was ist Deine „secret sauce“ – wie machst Du das, was Du machst?
  • Er ist outcome-orientiert (was ist der konkrete Wert, den andere bekommen – anders als „was mache ich“)

Beispiel von einem Kunden:
„Ich sorge dafür, dass Unternehmer und Unternehmen nicht mehr Steuern zahlen als unbedingt notwendig. Darüber hinaus stehe ich meinen Mandanten als trusted advisor bei allen Fragen zu Vermögen & Finanzen zur Verfügung.“

Mein eigener Pitch:
„Als Kommunikationsberaterin helfe ich Unternehmen und Menschen dabei, ihren Wert überzeugend zu verpacken und wirksam an die richtigen Zielgruppen zu kommunizieren. Das erreiche ich durch den Aufbau und die Stärkung von relevanten Inhalten, Kommunikationskanälen und Beziehungen.“

Diesen Pitch schreibst Du in Deine LinkedIn-Summary oder andere relevante Social Media Profile. Gleichzeitig hast Du einen knackigen Pitch, wenn Dich mal wieder jemand fragt: „Was machst Du so?“

2) Positionierung in LinkedIn

LinkedIn hat sich in den letzten Jahren auch im DACH-Raum zu einem sehr wichtigen Netzwerk entwickelt für die eigene Positionierung. Neben einem starken Profil, lohnt es sich Artikel (lang) und Beiträge (kurz) zu verfassen um Deine Expertise sichtbar zu machen. Inspiration kannst Du Dir bei den LinkedIn Top Voices holen. Wichtig ist dabei immer die Sicht Deiner Zielgruppe einzunehmen. Was könnte z.B. Deine (potenziellen) Kunden aus der Bankenbranche interessieren? Auch wenn Du nur Fremdcontent teilst (also einen Link zu einer externen, zuverlässigen Quelle), solltest Du Deine Einschätzung/Fragen/Ideen dazu schreiben. Das macht den Inhalt für Dein Netzwerk erst interessant. Sei keine Linkschleuder sondern ein Experte!

PS: Unter www.linkedIn.com/sales/ssi wird Dir Dein Social Selling Index angezeigt, der Dir aufzeigt, wie effektiv Du Deine Brand aufbaust in LinkedIn und Dein Netzwerk pflegst. Je aktiver und erfolgreicher zu bist, umso höher Dein Score.

3) Digital Networking

Vergiss Dabei nicht das „Social“ in Social Media. Teile und kommentiere auch relevante Beiträge von anderen Menschen in Deinem Netzwerk. Dazu gehören nicht nur Kunden, sondern durchaus auch Menschen im eigenen Unternehmen. Wenn Du z.B. einen Wechsel in eine andere Abteilung anstrebst, lohnt es sich zu beobachten, welche Inhalte der Chef dieser Abteilung teilt. Was interessiert ihn? Eventuell gibt es Schnittmengen zu Deinem „Personal Branding Pitch“?

Um gute Inhalte sofort in einem Newsfeed zu sehen, gehört aktive Netzwerkpflege dazu. Nehme nicht jede Kontaktanfrage an, sondern überlege, ob Du die Person kennst und ob Sie Dein Netzwerk bereichert. Alle anderen können Dir schließlich einfach nur „folgen“.

Auch relevante Themen sollten in Deinem Newsfeed auftauchen. Der Algorithmus lernt nach und nach, was für Dich relevant ist, basierend auf Deinen Interaktionen. Um ihn dabei zu unterstützen, führe folgende Schritte aus: Auf der Startseite siehst Du rechts den Kasten “Zum Feed hinzufügen” und unter den drei ersten Empfehlungen “Alle Empfehlungen anzeigen”. Gehe die Liste regelmäßig durch, um relevanten Unternehmen, Personen und Hashtags zu folgen. Natürlich kannst du im Suchfeld oben auch direkt nach Themen suchen. Wenn du z.B. #personalbranding eingibst, siehst Du, dass über 10. Millionen Menschen diesem Thema folgen und kannst selbst auf “folgen” klicken.

So baust Du Dir nach und nach eine starke Digitale Brand auf, die relevante Menschen wahrnehmen. Das Wichtigste dabei ist es, dran zu bleiben. Digital Personal Branding ist kein Short cut, sondern eine wichtige Investition in Deine Karriere!

Über die Autorin

Marina ist seit 2015 selbstständige Beraterin für Unternehmenskommunikation & Personal Branding. Sie hilft Unternehmen und deren Entscheidern dabei, ihren Wert zu erkennen, überzeugend zu verpacken und wirksam an die richtigen Zielgruppen zu kommunizieren. Daneben schreibt sie gerade ihr Buch „Digital Personal Branding“ im Springer Gabler Verlag.

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