Der Begriff „Filterblase“ ist bereits seit 2011 geprägt. Doch spätestens seit der Wahl von Trump zum US-Präsidenten sollte jedem der Begriff „Filterblase“ geläufig sein.

Im Grunde versteht man unter einer Filterblase, dass Nutzern von sozialen Plattformen auf Grundlage von Algorithmen nur Inhalte angezeigt werden, die auf ihren Interessen, Wertvorstellungen und Verbindungen zu anderen Nutzern basieren. So werden zum Beispiel Flüchtlings-Kritikern zumeist flüchtlingskritische Inhalte gezeigt und Fans vom 1. FC Köln vermehrt Fußballinhalte.

 

Filterblase für digitale Talente

Für digitale Talente findet dies in der gleichen Form statt. Ihnen werden insbesondere Inhalte angezeigt, die sich rund um digitale Projekte, Unternehmen, Initiativen und Best Practices drehen. Sie sehen, wie erfolgreich ihre Kontakte im digitalen Kontext sind und tauschen sich zunehmend zu denselben Themen aus. Je mehr der Austausch auf diesen digitalen Themen beruht, umso weiter taucht man in diese Filterblase ein und verstärkt die vom Algorithmus getriebene Abschottung gegenüber anderen Themen und Nutzergruppen.

Da sich diese digitalen Talente nun fast ausschließlich von Inhalten aus diesem Themengebiet umgeben sehen und auch der Austausch fast ausschließlich zu diesen Themen stattfindet, entsteht ein falsches Bild der gesamten Umwelt. Man erhält das Gefühl, dass sich die gesamte Welt um das Thema dreht und zudem alle Menschen da draußen mindestens genauso viel von dem Thema verstehen wie man selber. Das bedeutet, je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, umso mehr hat man das Gefühl, dass alle anderen ebenfalls auf Augenhöhe mit der eigenen Expertise sind.

Verstärkt wird das Ganze noch durch ein Arbeitsumfeld mit den stets gleichen Kollegen und Aufgabenbereichen. Man erhält dann auch außerhalb der digitalen Welt das Gefühl, dass alle um einen herum auf Augenhöhe bei den Themen sind. Alle Kontaktpersonen haben die gleichen Erfahrungen gemacht, arbeiten an den gleichen Problemstellungen und bestärken sich gegenseitig in den verschiedensten Denkmustern. Wenn man dann noch die gängigen Branchen-Events besucht, wo auch nur über dieselben Themen geredet wird, wird man vollkommen von der thematischen realen Welt abgekapselt.

 

Die Auswirkung auf das Selbstwertgefühl

Dieses Konstrukt von digitaler und analoger Filterblase hat jedoch eine massive Auswirkung auf das Selbstwertgefühl der Menschen und der digitalen Talente. Dadurch, dass sie das Gefühl bekommen, dass die ganze Welt auf Augenhöhe bei diesen Themen ist, wird die eigene Expertise nicht mehr als solche außerordentliche Expertise wahrgenommen. Sie wird als selbstverständlich empfunden. Schließlich zeigen mir meine Kollegen und meine sozialen Plattformen, dass die ganze Welt so denkt und handelt wie ich selber.

Es ist also durch den Einfluss der Filterblase kein korrektes Gefühl mehr für den eigenen Selbstwert vorhanden. Man fühlt sich nicht als etwas Besonderes, sondern nur als ein Teil der breiten Masse. Die eigenen Fähigkeiten werden als Standard wahrgenommen und man fühlt sich nicht als eine wertvolle Bereicherung für Unternehmen und Kollegen.

Diese ganze Situation kann sehr belastend für das Selbstwertgefühl sein. Es kann dazu führen, dass man außerhalb seines gegenwärtigen Jobs ja eh keine Chance hat. Schließlich können ja auch alle anderen das, was ich kann.

 

Der Filterblase entfliehen und das eigene Selbstwertgefühl aufbauen

Wenn wir uns jetzt wirklich herausragende Personen anschauen, die unsere digitale Zeit prägen, dann können wir feststellen, dass sie diese Filterblase überwunden haben. Sie haben verstanden, dass ihre Fähigkeiten besonders sind und das sie von großem Wert für andere Personen und Unternehmen sind.

Bei diesen Personen muss es sich nicht um die CEOs von großen Internet-Konzerne handeln. Es sind viel häufiger die Referenten auf Veranstaltungen, die Experten aus Interviews oder die Blogger im Internet. Es sind Leute, die stolz auf ihre Expertise sind und dies auch zeigen.

Es liegt schließlich an uns selber, die Auswirkungen der Filterblase auf uns selber zu erkennen und dieser Manipulation aktiv zu begegnen. Wir müssen aktiv in den Austausch mit anderen Menschen treten und ein Gefühl dafür entwickeln, worin unsere Fähigkeiten sich von den Fähigkeiten anderer Menschen abhebt.

Wenn wir ein Bewusstsein für unseren eigenen Wert haben, dann eröffnen sich uns Möglichkeiten und Chancen, von denen wir vorher nur geträumt haben.

 

Meine persönliche Erfahrung mit der Filterblase

Ich selber habe diese Erfahrung gemacht. Über viele Jahre hinweg habe ich mich fast ausschließlich mit Menschen aus meinen eigenen Interessensgebieten befasst. Ich habe mich stets mit meinen Kollegen auf Augenhöhe ausgetauscht und habe durch die verschiedensten Online-Plattformen das Gefühl bekommen, dass die ganze Welt so tickt wie ich.

Erst als ich wirklich in Kontakt mit Menschen in anderen Unternehmen getreten bin, habe ich erkannt, was meine Fähigkeiten eigentlich für einen Wert haben. Ich habe erkannt, dass meine Fähigkeiten eine wirkliche Expertise darstellen, nach denen sich manche Unternehmen geradezu die Finger lecken würden.

Ich habe nach vielen Jahren endlich mal ein besseres Gefühl für meinen eigenen Wert bekommen. Ich habe also an Selbstwertgefühl hinzugewonnen und kann nun viel selbstbewusster mit anderen Menschen interagieren.

Aus diesen Erfahrungen und der Lehre die ich daraus gezogen habe, ist auch der Drang dazu entstanden „Digital Misfits“ ins Leben zu rufen. Eine Plattform, die anderen Menschen wie mir dabei hilft, den eigenen Wert in einer digitalen Welt zu erkennen und zu nutzen.

 

 

Über den Autor

Dennis Schenkel ist Unternehmer und Berater mit Fokus auf New Work, Innovation und digitale Transformation. Seit 2013 zählt er zu den führenden Köpfen bei Themen wie Crowdsourcing, Open Innovation und neue Arbeitsmodelle. Dennis fühlt sich in der gegenwärtigen Arbeitswelt selber deplatziert und setzt sich seit 2017 als Initiator von Digital Misfits für ein besseres Verständnis von digitalen Talente und in der Arbeitswelt ein.

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