Das Thema New Work, Arbeit der Zukunft und Arbeit 4.0 ist momentan in aller Munde. Plattformbasiertes Arbeiten, Schwarmorganisation und flexible Arbeitszeitmodelle werden schon in naher Zukunft das Leben vieler Menschen prägen. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Presse, sämtliche Medien-Kanäle und Veranstaltungen dieses Thema behandeln. Seien es Wirtschafts-Magazine, die Fach- & Digitalkonferenzen oder die Blogs sämtlicher Unternehmensberatungen.

Ich freue mich sehr darüber, dass dieses Thema so viel Aufmerksamkeit genießt. Besonders, da es auch ein Herzensthema von mir ist und ich mich mit Teilaspekten dieses Themengebiets schon mehrere Jahre beschäftige. Doch eine Sache stört mich an der ganzen Diskussion gewaltig: Die Seniorität der Diskutanten und derer, die als Experten die Arbeitswelt der Zukunft gestalten.

Regelmäßig verfolge ich Diskussionen und Veröffentlichungen zu den Themen, doch frage ich mich immer wieder, warum nur selten jene Menschen zur Wort kommen, die die Zukunft der Arbeit gestalten und leben werden. Warum werden nicht jene Menschen mehr beachtet, die in einer rein digitalen Welt groß geworden sind und schon jetzt anders arbeiten und denken, als es die breite Masse tut?

Statt es den jungen Menschen zu überlassen, wie sie in Zukunft arbeiten wollen und werden, ist die Diskussion beherrscht von Experten, für die eine digitale Arbeitsumgebung selber absolutes Neuland ist. Die neue Arbeitswelt wird zumeist von den Personen entwickelt, die selber nur noch wenige Jahre bis zum Ruhestand haben. Von Leute, die nicht mal mehr mit dem kleinen Zeh in das Wasser der neuen Arbeitswelt eintauchen werden.

 

Die ersten Symptome einer fehlerhaften Entwicklung

Schon heute zeigt sich, dass eine massive Diskrepanz besteht, zwischen der Art wie Digital Natives arbeiten wollen und wie sie gegenwärtig gezwungen werden zu arbeiten. So müssen beispielsweise junge Universitätsabsolventen ihr natürliche Kommunikationsverhalten an Technologien und Vorgaben anpassen, die in Unternehmen vor vielen Jahren eingeführt und nicht weiterentwickelt wurden. Es herrschen Kommunikationsrichtlinien, welche die Bedürfnisse der jungen Belegschaft einfach vollkommen ignorieren.

Aufgewachsen mit direkter und immer verfügbarer Kommunikation, werden Digital Natives nun gezwungen, im Arbeitsumfeld auf ihre präferierte Kommunikationsart zu verzichten. In vielen Unternehmen sind neuartige Lösungen wie Slack oder Projektmanagement-Tools wie Asana schlichtweg nicht gestattet. Von WhatsApp auf dem Firmen-Telefon will man schon gar nichts wissen. Die Sicherheit und der Datenschutz für Services aus den USA sind hier ein Thema, doch wird dieser häufig nur vorgeschoben. Die neuen Services passen häufig einfach nicht in das Zielbild des Unternehmens, wie es die Entscheider schon so lange mit sich herumtragen.

So werden neue Kommunikationsformen und –Kanäle im Keim erstickt, denen offensichtlich die Gegenwart und die Zukunft gehören. Grund dafür sind zumeist subjektive Meinungen von Entscheidern, welche die Bedürfnisse der Arbeiterscharen überstimmen.

 

Dialog auf Augenhöhe für die Zukunft der Arbeit

Besonders wenn es um die Gestaltung unserer zukünftigen Arbeitswelt geht, ist der Austausch zwischen erfahrenen Mitarbeitern und den jungen Nachwuchskräften enorm wichtig. Dieser Austausch muss gefördert werden. Doch müssen die Prioritäten auf den Wünschen und Bedürfnissen der jungen Belegschaft liegen. Die Anregungen der jungen Mitarbeiter dürfen nicht, aufgrund von möglichen Erfahrungen aus den vergangenen Dekaden, übergangen werden. Schließlich ist es die junge Belegschaft, die den Laden in Zukunft schmeißen wird.

Gleichzeitig muss die Weiterentwicklung unserer Arbeitswelt stetig voran laufen. Sie ist ein agiler Prozess in sich. Die technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen gehen so schnell von statten, dass auch die Bedürfnisse der Mitarbeiter sich immer schneller wandeln. Das Zielbild einer digitalen Arbeitswelt muss also auch stetig gepflegt werden und die Bereitschaft für Veränderung muss aufrechterhalten werden. Nur weil vor kurzem neue Tools in einem Unternehmen eingeführt werden, bedeutet dies nicht, dass nicht in ein paar Monaten wieder neue Tools eingeführt werden müssen.

 

Die richtigen Menschen an den richtigen Stellen

Ich bin fest davon überzeugt, dass es die richtigen Menschen an den richtigen Stellen braucht, um die Zukunft der Arbeit nachhaltig zu gestalten. Es muss den jungen Menschen in Unternehmen, insbesondere zu den digitalen Themen, mehr Verantwortung übertragen werden.

Mit Sicherheit sind die Erfahrung von langjährigen Mitarbeitern von großer Bedeutung und diese Erfahrungen sind der Grund, warum Unternehmen erfolgreich sind. Dennoch braucht es mehr Vertrauen zu jungen Menschen und das Bewusstsein, dass sie die Zukunft der Unternehmen sind und sich somit die Arbeitswelt besonders an ihren Bedürfnissen orientieren muss. So wird auch verhindert, dass Opa die Arbeitswelt der Zukunft gestaltet.

 

Über den Autor

Dennis Schenkel ist Unternehmer und Berater mit Fokus auf New Work, Innovation und digitale Transformation. Seit 2013 zählt er zu den führenden Köpfen bei Themen wie Crowdsourcing, Open Innovation und neue Arbeitsmodelle. Dennis fühlt sich in der gegenwärtigen Arbeitswelt selber deplatziert und setzt sich seit 2017 als Initiator von Digital Misfits für ein besseres Verständnis von digitalen Talente und in der Arbeitswelt ein.

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